Text von Frau Dr. Marina Dalügge, Berlin

…: Das bedeutet, man macht seine Kunst transparent, man zeigt den Ausgangs- und Endpunkt, das Ver- und Endknoten, die Ver- und Entwandlung, ohne das Kunststück je entzaubern zu können.

Das gilt auch für die neueren Vorlagen seit Mitte dieser Dekade: Alltagsgegenstände, im freien Warenverkehr steril und resistent gegen jede Aura oder Ästhetik, im freien Spiel von Thomas Koch irritierend genau und spektakulär verfremdet mit digitaler Technik:
Tabletten-/ Blister-Verpackungen und Schablonen aus dem Modellbau, also aus dem Spielbereich, als großformatige Photo- bzw. Farbprints – genormte Fließbandprodukte, die für eine genormte Weiterverwertung gedacht sind, aber anders, als von der Industrie vorgegeben: Nämlich die Aufforderung zu einem ganz eigenen Spiel.

Gegen das unerbittlich Serielle, gegen das Uniforme der Dinge setzt Thomas Koch die beharrliche Systematik seines Eigen- Sinns: Vorgefertigte Gegenstände oder erstarrte Regelwerke werden so lange `geknetet´und bearbeitet, bis ihr äußeres Gerüst oder eine organische Struktur zum Vorschein kommt. Den Schablonen fehlen etliche Elemente und Figuren, sie wirken `abgenagt´bis auf ihren äußeren Rahmen, so wie einst die Tuben eher Hülle als Füllung waren, bevor sie zum Bild wurden.

Dieses Verfahren, den Dingen auf den Grund zu gehen und dabei stets einen stets größeren Zauber zu entdecken, findet man auch in den Prints von 2007 bzw. 2008: aufgetrennte Kartonschachteln, die einerseits an Grundrisse, andererseits an Häuserfassaden und Schloss-Silhouetten erinnern – die aber (und das ist das schöne daran) trotz des prächtigen Effekts nie Ihre einfache Herkunft verleugnen …

Auszug aus einem Text von Dr. Marina Dalügge über die Kunst von Thomas Koch oder: „Vom Ernst des Spiels“ – Eröffnungsrede zur Ausstellung „Innere Landschaften“, Ahrenshoop 2009

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